Werkstattnotiz · Linux, Server, Sicherheit
Woran man merkt, dass eine Angabe hält
Ein Datum, das plausibel aussieht und aus einer offiziellen Quelle stammt, kann trotzdem etwas anderes messen als das, wofür man es hält. Ein Beispiel aus diesem Projekt — und was daraus als Regel wurde.
- Stand
- 2026-08-05
- Themenfeld
- Linux, Server, Sicherheit
- Zahlen im Text
- zur Laufzeit aus der Datenbank gelesen
Plattformen liefern zu jedem Titel ein Datum. Es steht in einem Feld, das aussieht wie ein Erscheinungsdatum, kommt vom Betreiber selbst und ist in einem sauberen Format hinterlegt. Man übernimmt es, ohne lange nachzudenken. Hier wäre das ein Fehler gewesen.
Aufgefallen ist es an einem Widerspruch: Für dieselbe Aufnahme nannte der Katalog der Nationalbibliothek einen Erscheinungstag, die Plattform einen anderen — zweiundzwanzig Monate später. Ein einzelner Ausreißer wäre ein Tippfehler gewesen. Also wurde nachgezählt.
Die Gegenprobe
Über den ISRC lassen sich 358 Aufnahmen eindeutig in beiden Beständen wiederfinden. Für jede dieser Aufnahmen liegen zwei Daten vor. Wenn das Plattformfeld ein Erscheinungsdatum wäre, müssten die beiden Werte überwiegend übereinstimmen.
- Plattformdatum später
- 225 Fälle
- identisch
- 0 Fälle
- Plattformdatum früher
- 2 Fälle
Kein einziger Treffer. Das ist kein Rauschen, das ist eine andere Größe: Das Feld misst den Tag des Hochladens. Bestätigt wird das durch zwei Titel, die 43 Sekunden auseinander hochgeladen wurden — ein Stapelvorgang, keine zwei Veröffentlichungen am selben Tag.
Der allgemeine Teil daran: Eine Angabe ist nicht deshalb belastbar, weil sie aus einer offiziellen Quelle stammt, sondern weil man weiß, was sie misst. Zwei unabhängige Quellen sind dafür der billigste Test, den es gibt — sie kosten nichts außer der Bereitschaft, das Ergebnis auch dann zu akzeptieren, wenn es unbequem ist. Von den 59 erfassten Quellen dieses Netzwerks ist deshalb jede mit einer Beweisstufe hinterlegt.
Der vollständige Vorgang steht unter Provenienz, das Register unter Quellen.
